Der Junge mit dem goldenen Fuß: Eckstein rettet Eintracht Punkt gegen Köln – Moral stimmt

Ganz zufrieden war er nicht. Etwas zufrieden. Aber das ist ob des Spielverlaufs ja schon sehr viel. Reinhold Breu sprach nach dem 2:2 seiner Elf gegen den FC Köln vor allem von der Verunsicherung seiner Jungs. Die sei offenkundig geworden, als die Mannschaft unglücklich in Rückstand geriet. “Aber ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Wir haben eben nicht das Selbstvertrauen, das eine Mannschaft besitzt, die fünf Siege im Rücken hat”, sagte Breu. Der 39-Jährige hob die Moral seiner Schützlinge hervor. “Die hat gestimmt, und damit bin ich zu 100 Prozent zufrieden.”

Foto: Komm’ her und lass’ dich busseln – Torschütze Tim Eckstein lässt seiner Freude freien Lauf.

Dienstagabend, offene Geschäfte, dazu die wenig erbauliche sportliche Situation des SVE – kein Wunder also, dass die Ränge im Moselstadion nur spärlich besetzt waren. Selbst im Fan-Block auf der Gegengeraden klafften Lücken. Jene jedoch, die gekommen waren und ihre Fahnen und Spruchbänder in den blauenden Himmel über der Moselmetropole reckten, waren guten Mutes.

Seit exakt drei Wochen hatten sie nur üben können. Jetzt schallte es wieder durchs Rund des Trierer Fußball-Tempels: “Nur der SVE!” Die Fans waren heiß auf das Spiel, auf Fußball, auf ihre Eintracht. Und die schien gleich von Anfang an beweisen zu wollen, dass sie besser ist als die Tabelle das aktuell spiegelt. Dennoch – nicht nur die Initiative gehörte vom Anpfiff weg den Blau-Schwarzen, sondern auch die erste Schrecksekunde. Nach fünf Minuten setzten die “Geißböcke” ihre erste Duftmarke: Ulli Schneider kann den Ball nach einem Eckball der Kölner nicht festhalten, Andy Rakic muss für seinen bereits geschlagenen Torwart auf der Linie retten.

Ein Weckruf zur rechten Zeit. Jetzt war die Abwehr der Eintracht um die Innenverteidiger Josef Cinar und Johannes Kühne da – assistiert von Michael Dingels, der sein 100. Spiel für den SVE bestritt, und Andy Rakic auf den Außenbahnen. Im defensiven Mittelfeld hatte Cheftrainer Reinhold Breu Nicolas Fernandes den Vorzug vor Max Bachl-Staudinger gegeben. Eine luxemburgisch-französische Co-Produktion. Denn neben Fernandes agierte Gilles Bettmer, der Nationalspieler aus dem Großherzogtum.

Eines jedenfalls war schon nach gut einer Viertelstunde offensichtlich: Chef Breu hatte in den letzten drei Wochen ganze Arbeit geleistet. Seine Jungs versuchten tatsächlich, Fußball zu spielen. Kein brachialer Kick-and-Rush wie noch vor nicht allzu langer Zeit – mit der Hoffnung auf Genosse Zufall vor dem Tor. Der Ball wurde in den eigenen Reihen gehalten, immer wieder suchten sie die freien Anspielstationen – Kurzpassspiel, der Blick für den Kollegen, für den Raum, für die Situation. Das alles war Gesicht der neuen Breu-Eintracht.

Sahr Sensie ließ sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen, bediente die Außen Gustav Schulz und Martin Wagner, von denen die Linie entlang Druck auf die Kölner Deckung kommen sollte. Geschickt wurde zwischen den beiden Ketten, die in Kölner Ballbesitz jeweils auf einer Linie standen, verschoben. Hin und wieder auch ein taktisches Foul im Mittelfeld, um den Spielfluss der technisch versierten “Geißböcke” zu unterbinden. So sprangen nur Standdardsituationen für die Roten vom Rhein heraus. Die jedoch waren in Gänze ungefährlich.

Lief die Kugel durchs Mittelfeld der Eintracht, wurde es schnell und – gefährlich. Wie in der 13. Minute, als Senesie nach Pass von Fernandes durchgebrochen war. Kölns Torwart Roland Müller stürmte auf den Trierer “Zehner” zu – ein Sprung, ein Fall, ein Aufschrei im Stadion. Elfmeter? Mitnichten! Die Pfeife von Schiedsrichter Marcel Göpferich blieb stumm. Eine Fehlentscheidung – denn Müller spielte keineswegs den Ball, sondern traf nur den Gegner.

Eine gute Viertelstunde später halfen Müller aber auch alle Tricks nicht mehr. Bettmers blitzsauber getretene Ecke landete auf dem Kopf von Wilko Risser, der erneut seine wiedergefundenen Torjäger-Qualitäten unter Beweis stellte. Müller war gegen den scharfen Kopfball des Namibiers machtlos – und die blau-schwarzen Fans aus dem Häuschen. Das 1:0 war wie eine Erlösung nach langer, langer Durststrecke. Und zudem hochverdient für eine Eintracht, die Spiel und Gegner kontrollierte.

Kölns optische Überlegenheit bis zur Pause und auch in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel änderte nichts am erfolgreichen Konzept des SVE. Dann jedoch passierte das, was nicht passieren darf, was jedoch so oft passiert, wenn die Tabelle eine Mannschaft in ihren unteren Regionen sieht. Pech, Unglück – es gibt viele Namen dafür. Des Dramas erster Teil: ein harmloser hoher Ball in den Strafraum des SVE. Völlig unbedrängt versucht Dingels zu klären. Von seinem Schienbein springt die Kugel über den verdutzten Schneider, der absolut machtlos war, hinweg ins Trierer Gehäuse.

Im unmittelbaren Gegenzug hat Senesie nach mustergültigem Konter und exaktem Zuspiel von Wagner freistehend aus zwölf Metern die Möglichkeit zur erneuten Führung. 50 Zentimeter streicht der Ball am rechten Pfosten vorbei – des Dramas zweiter Teil. Teil drei folgte sogleich: Kölns erste gelungene Kombination im gesamten Spiel bringt das 2:1 für die Geißböcke. Schulz steht für Sekundenbruchteile neben seinen eigenen Schuhen: Stephan Salger flankt, und Thiemo-Jerome Kialka nickt aus kürzester Distanz ein. Niemand fühlte sich für den “Achter” der Kölner zuständig. Wieder war Schneider machtlos, wieder hatte sich die Eintracht selbst um den Lohn der zuvor sauberen Arbeit gebracht.

Der Chef an der Seite wollte es ebenso wenig wahrhaben wie die Fans im Stadion. Breu ruderte mit den Armen, versuchte, von außen Einfluss zu nehmen auf seine Mannschaft, die jetzt sichtlich unter Schock stand. Nicht mehr viel lief zusammen im Spiel der Eintracht. Personelle Alternativen sollten die Wende bringen. Erst kam Thomas Kempny für den verunsicherten Dingels, dann Andreas Anicic für Bettmer und schließlich auch noch Tim Eckstein für den konditionell abbauenden Senesie.

Anicic war es, der unmittelbar nach seiner Einwechselung den Ausgleich auf dem Fuß hatte: Freistoß aus 25 Metern, Müller reagiert glänzend – Eckball. Wieder Anicic, der Risser findet. Doch diesmal strich der Ball am Pfosten vorbei. Totale Offensive lautete jetzt das Motto. Der SVE entblößte die Defensive, nahm in Kauf, dass Köln so zu Kontern kam. Volles Risiko – Alles oder Nichts.

Breu hatte das Händchen und die Eintracht das Glück, das nur dem Tüchtigen gehört. Und die Blau-Schwarzen hatten einen Eckstein, der den Unterschied machen kann. Er war es, der den SVE in der 85. Minute erlöste. Tor für Eintracht Trier! Tim Eckstein, der seiner Freude mit einem Sprint zu seinem Trainer Ausdruck verlieh. Die Hand auf dem Vereins-Emblem, schien er es hinausschreien zu wollen: “Sieh her, ich hab’s gemacht – sonst keiner!”

Es war der Schlusspunkt in einem guten Regionalliga-Spiel, in dem für den SVE mehr möglich gewesen wäre. Ein Punkt gewonnen, oder zwei verloren? Das werden erst die nächsten Wochen beantworten.

Einzelkritik: SVE – 1. FCK

Die Spieler der Eintracht in der Einzelkritik: Alle Eintracht-Spieler verdienten sich gegen Köln befriedigende bis gute Noten. Das Gesamtbild stimmte, und darunter erschienen auch die Einzelleistungen in einem guten Licht. Hervorzuheben sind vor allem Martin Wagner und die beiden Torschützen Wilko Risser und Tim Eckstein. Auch Ulli Schneider war bis auf eine kleine Unsicherheit gleich zu Beginn fehlerfrei. Fernandes machte ein starkes Spiel auf der “Sechser-Position”. Anicic sorgte für Belebung nach seiner Einwechselung. Aber auch Senesie war sehr engagiert.

Noten wie in der Schule:

Schneider – Note 2; Rakic – Note 2; Cinar – Note 2; Fernandes - Note 2; Kühne – Note 3; Wagner – Note 1; Schulz – Note 3; Bettmer – Note 2; Dingels – Note 3, Risser - Note 1; Senesie – Note 3; Kempny (ab 67. für Dingels) – Note 2;  Anicic (ab 72. für Bettmer) – Note 2; Eckstein (ab 74. für Senesie) – Note 1.

Im Viertelfinale des Rheinland-Pokals spielt die Eintracht gegen die SG Betzdorf. Das ergab die Auslosung am Dienstagabend bei der “Bitburger Brauerei”.

Eintracht siegt am grünen Tisch: Spruchkammer wertet Pokal-Spiel zugunsten des SVE

Eindeutige Entscheidung der Spruchkammer: Das Achtelfinale des Rheinland-Pokals, zu dem der FSV Salmrohr nicht angetreten war, wird für Eintracht Trier gewertet. Das entschied das zuständige Gremium des Fußballverbandes Rheinland in seiner Sitzung am Montagabend.

Damit zieht der SVE kampflos ins Viertelfinale des Pokals ein, das heute (Dienstag) bei der “Bitburger Brauerei”, der Namensgeberin des Pokals, ausgelost wird.

Der juristische Vertreter des FSV Salmrohr hatte in der Verhandlung vor der Spruchkammer ausgeführt, die Verbandsgemeinde Wittlich-Land habe den Platz nur unter Auflagen freigegeben. Daher sei der Verein zum Achtelfinale nicht angetreten. Diese Argumentation ließen die Mitglieder des Gremiums nicht gelten und wiesen den Einspruch der Salmrohrer zurück. Ferner wurde der Verein mit einer Geldstrafe belegt und muss die Kosten der Schiedsrichter sowie die Anfahrtskosten der Trierer Eintracht begleichen.

Im Anschluss an die Sitzung kündigte der Vertreter des FSV Salmrohr an, erneut Beschwerde gegen das Urteil einzulegen.

Steigende Fieberkurve: Operation Klassenerhalt beginnt – Eintracht gegen Köln

Eintracht Trier gegen Köln, die Zweite. Klappe zu, Aufnahme läuft – am Dienstag im Moselstadion. Von 19 Uhr an sollen die Kameras summen. Es ist der zweite Versuch, das Spiel gegen die kleinen “Geißböcke” über die Bühne zu bringen. Der erste fiel dem Vorfrühling, der ein Winter war, am 6. März zum Opfer. Schnee bedeckte den Rasen im Trierer Fußball-Tempel – Ski und Rodel gut, an das Spiel mit dem runden Ball war nicht zu denken.

Foto: Die Spannung steigt, am Dienstag gegen Köln gilt es – auch die Fans der Eintracht fiebern dem Spiel ihrer Mannschaft entgegen.

Es sieht gut aus für den kommenden Dienstag. Der Wetterdienst wetter.com meldet für Montag und Dienstag nur noch Regen. Gegen Abend soll es trocken werden – Temperaturen zwischen sieben und neun Grad. Von Schnee keine Spur. Die Hoffnung der Trierer Fans, endlich wieder Fußball in ihrem Moselstadion sehen zu können, steigt also.

Für Chef-Trainer Reinhold Breu ist die aktuelle Spielsituation in der Liga keine leichte. Er muss die Spannung innerhalb seiner Truppe trotz der dauernden Spielabsagen (zuletzt auch gegen Worms) hochhalten. Dreimal muss die Eintracht inzwischen nachsitzen. Am Dienstag gegen Köln, am 23. März in Verl und am 13. April in der Nibelungenstadt Worms. Dazwischen steht für den SVE noch das Viertelfinale im Rheinland-Pokal an.

An der sportlichen Ausgangslage hat sich seit der Niederlage von Bonn kaum etwas geändert. Waren es vor knapp drei Wochen zwei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang, so ist es jetzt noch einer – bis auf Leverkusen, das mit 23 Spielen auf Platz 16 liegt. Die Eintracht könnte mit einem Sieg gegen den Nachwuchs aus der Domstadt einen gewaltigen Sprung in der Tabelle machen. Sie kann aber auch tief im Keller stecken bleiben, sollte die Partie gegen die Geißböcke verloren gehen. So einfach ist die Rechnung für Breu und den gesamten Trainerstab.

Vielleicht kommen die Kölner sogar zur rechten Zeit an die Mosel. Denn die U23 des Bundesligisten schwächelte zuletzt. Dem 1:1 beim Tabellenletzten Worms folgte am Samstag die 0:1-Heimniederlage gegen Rot-Weiß Essen. Allerdings wissen die “Roten” vom Rhein, wo und wie sie stehen. Die Eintracht weiß das nicht. Seit dem 27. Februar hat der SVE kein Pflichtspiel mehr bestritten – Training, Training und nochmals Training. Mehr war nicht drin für Breu und seine Jungs.

Der 39-jährige Chef-Coach ist nach wie vor vom Klassenerhalt überzeugt. “Wir haben die Qualität”, sagt Breu, “und wir werden das auch schaffen.” Einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung kann er bereits am Dienstag mit seiner Mannschaft machen – mit einem Sieg über Köln.

Foto: alb

SV Eintracht Trier 05 – 1. FC Köln II, Dienstag, 16. März, 19 Uhr, Moselstadion Trier.

Spieltag/Tabelle

Kämpfen, rackern, beißen – Feuerprobe in der Nibelungenstadt

Herzlichen Glückwunsch, Eintracht Trier! Die “Alte Dame” aus der Moselmetropole feiert heute, 11. März, ihren 105. Geburtstag. Zwei Tage nach der Jahreshauptversammlung, einen Tag vor dem wichtigen Spiel beim alten Südwest-Rivalen VfR Wormatia Worms (Freitag, 19 Uhr).

Wer heuer auf die blau-schwarz-weiße “Alte Dame” blickt, kann nicht umhin, ihr auch in diesem hohen Alter eine lebensfrische Rüstigkeit zuzusprechen. Das Fußball-Flaggschiff der Region liegt auf Kurs – hart am Wind, aber weiterhin in stolzer Fahrt. Die Finanzen sind geordnet, die exzellente Jugendarbeit der vergangenen Jahre trägt immer prallere Früchte, mit Roman Gottschalk weht eine frische Brise durch den Vorstand des SVE – es könnte also kaum harmonischer sein.

Foto: Tanzen sie am Freitag wieder mit ihren Fans? – Die Eintracht-Kicker wollen in Worms einen großen Schritt aus dem Tabellenkeller machen.

Wenn, ja wenn da nicht die prekäre sportliche Situation des Aushängeschildes wäre. Nach wie vor steht die Eintracht in der Regionalliga mit dem Rücken zur Wand. Vorstand Harry Thiele räumte auf der Jahreshaupt-Versammlung unumwunden ein, was viele Fans schon seit Monaten denken: “Der Abstieg wäre ein Erdbeben.”

Das Frühwarn-System bei der Eintracht versagte, als die Talfahrt gegen Ende des letzten Jahres offensichtlich wurde. Zu spät wurden die Schotten dicht gemacht – jetzt ist Wasser im Boot. An der Pumpe steht der neue Chef, Reinhold Breu, der alle Hände voll zu tun hat, das Flaggschiff vor dem Sinken zu bewahren.

Breu wird nicht müde, gebetsmühlenartig immer und immer wieder zu betonen, dass diese Mannschaft die Qualität habe, die Klasse zu erhalten. Vertrauen habe er in seine Spieler, sagt der 39-Jährige nicht ohne Stolz – Verbesserungen vor allem im taktischen Verhalten seien sogar bei der schmerzlichen 0:1-Niederlage in Bonn ersichtlich geworden. Beim 2:2-Unentschieden gegen Tabellenführer Saarbrücken war dies ohnehin der Fall.

Seit der Niederlage in Bonn konnte der Niederbayer in Diensten der Eintracht allerdings nur auf dem Trainingsplatz erkunden, ob seine Jungs die taktischen Vorgaben des neuen Chefs umsetzen. In der Praxis mussten sie diesen Beweis bisher schuldig bleiben. Das Heimspiel gegen den Nachwuchs des 1. FC Köln fiel  dem für mitteleuropäische Verhältnisse ungewöhnlich harten Winter zum Opfer. In Salmrohr machten sich Breus Spieler umsonst warm – der FSV trat zum Achtelfinale nicht an.

Am Freitag jedoch gilt es. Die Wormatia aus Worms wartet auf die Eintracht aus Trier. Ein Sechs-Punkte-Spiel mit Derby-Charakter – das weiß auch Breu. In der Nibelungenstadt am Rhein keimt nach den jüngsten Erfolge wieder zarte Hoffnung, doch noch das schier Unmögliche möglich zu machen. Die Wormaten träumen wieder vom Klassenerhalt – bei nur noch sechs Punkten Rückstand und noch zwölf ausstehenden Spielen ist dies inzwischen wieder mehr als reines Wunschdenken.

Die Wormatia ist 2010 noch ohne Niederlage. Zwei Siege gegen Düsseldorf und Leverkusen sowie das Unentschieden gegen die spielstarken Kölner nähren die Hoffnung in der Nibelungenstadt. Trainer Jürgen Klotz hat die alten Tugenden der Wormaten wiederbelebt. Sie kämpfen, sie rackern, sie beißen. So will der 51-Jährige seine Wormatia aus dem Tabellenkeller führen.

Die Eintracht ist also vorgewarnt. Breu hat seine Jungs im Laufe der Woche akribisch auf diesen unangenehmen Gegner vorbereitet – vor allem die körperliche Verfassung der Spieler wird ein Schlüssel sein. Daran hat das Trainerteam seit der Niederlage in Bonn, als konditionelle Mängel offenkundig wurden, verstärkt gearbeitet. Breu tut alles für den Erfolg, am Freitag sind seine Spieler gefordert, die Vorgaben auf dem Platz umzusetzen – in Worms.

VfR Wormatia Worms – SV Eintracht Trier 05, Freitag, 19 Uhr, Wormatia-Stadion Worms.

Spiele/Tabelle

harleys Wunschelf für Freitag:

Schneider
Dingels  Kühne  Cinar  Rakic
Bettmer
Schulz         Bradasch      Wagner
Risser Senesie

harleys Tipp für den 24. Spieltag:

Wechselgerüchte: Senesie will laut “BZ” zu Union Berlin

Erneute Wechselgerüchte um Triers Torjäger Sahr Senesie. Der 24-Jährige liebäugelt laut der “BZ Berlin” mit einem Wechsel zum Zweitligisten Union Berlin. Die Zeitung zitiert den Eintracht-Stürmer mit den Worten: “Ich weiß von Unions Interesse.” Der Verein bestreitet hingegen sein Interesse an Senesie. “Wir haben mit dem Spieler nie gesprochen und nie auf dem Zettel gehabt”, so Sportdirektor Christian Beek in der “BZ”.

Foto: Spielt er bald in der Hauptstadt? – Sahr Senesie (im Vordergrund) liebäugelt offenbar mit einem Wechsel zu Union Berlin.

Senesie, der bereits für Tasmania Berlin spielte, zieht es offenbar in die Hauptstadt. “Ich würde mit Benyamina und Ede ein echtes Berliner Trio bilden”, wird der 24-Jährige von der Zeitung zitiert. Union-Trainer Uwe Neuhaus kennt Senesie aus gemeinsamen Zeiten bei Borussia Dortmund. Foto: alb

Einwurf – Neue Funktionäre dringend gesucht

Eintracht Trier wird kampflos ins Viertelfinale des Rheinland-Pokals einziehen. Das ist so sicher wie das Amen an einem Sonntagmorgen im Trierer Dom. Der Fußball-Verband Rheinland kann überhaupt nicht anders entscheiden, nachdem der FSV Salmrohr am Dienstag zum Achtelfinale nicht antrat. Salmrohr hat sich blamiert, der Verband ist nach dem wochenlangen Hickhack beschämt – und damit sollte es aber auch gut sein.

Foto: Sie hatten am Dienstag keinen Grund zu jubeln – die Eintracht-Fans.

Die Eintracht, vornehmlich der neue Vorstand mit Ernst Wilhelmi, Harry Thiele und Roman Gottschalk, tut gut daran, jetzt nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen. Freuen sollten sich die Verantwortlichen im Lager des SVE darüber, dass der Mannschaft im Abstiegskampf der Regionalliga ein schweres Spiel unter der Woche erspart blieb. Die Konzentration muss der nächsten Partie in Worms gelten. Alles andere ist Kinderkram. Vor allem jene Forderungen von Seiten der Eintracht nach Kostenbeteiligung und Erstattung entgangener Eintrittsgelder. Was, bitte, soll der Unfug? Eintracht Trier ist nicht nur Sieger auf dem Platz – auch wenn das Spiel nicht stattfand -, sondern auch moralischer Sieger. Gegenüber dem FSV Salmrohr und gegenüber dem Fußballverband in Koblenz.

Mehrmals hatte der SVE angeboten, das Spiel im Moselstadion auszutragen – das wurde abgelehnt. Darauf kann die Eintracht jederzeit hinweisen. Was einem Verein wie Eintracht Trier allerdings nicht gut zu Gesicht steht, ist, jetzt in kleinkarierter Rache zu machen. Ein solches Vorgehen hat der Traditionsverein nicht nötig. Der Umgang mit dem Sieg entscheidet auch über die moralische Größe des Siegers. Und Größe sollte die Eintracht jetzt zeigen – das würde ihr weitere Pluspunkte im Ansehen der Fans in der gesamten Region bringen. Auf einen Gegner, der bereits am Boden liegt, sollte man nicht nachtreten – auch das ist schlechter Stil. Und der schmälert letztlich die Größe des Sieges.

Beim Fußball-Verband Rheinland in Koblenz ist jetzt allerdings eines erste Funktionärs-Pflicht: scharfes Nachdenken über den Modus des Pokals. Nach dem Skandal um das Endspiel im vergangenen Jahr in Polch jetzt der – wenn auch kleinere – Skandal um das Achtelfinale zwischen Salmrohr und Trier. Einige der Koblenzer Funktionäre sind anscheinend mit ihrer Aufgabe überfordert – das ist offensichtlich. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach hatte schon nach den Vorkommnissen von Polch angemahnt, dass die regionalen Pokalwettbewerbe aufgewertet werden müssten, da die Sieger in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals einziehen. Diese Botschaft Niersbachs ist in Koblenz wohl nicht angekommen.

Die Organisation des Pokalwettbewerbs durch den Koblenzer Verband gleicht dem Laien-Schauspiel auf einer Provinzbühne in Hintertupfingen. Schlechte Regie, noch schlechtere Schauspieler und ein grauenhaftes Bühnenbild. Speisen und Getränke sind vom Publikum mitzubringen. Das ist der eigentliche Skandal an der Geschichte um das ausgefallene Pokalspiel.

Die verantwortlichen Funktionäre in Koblenz sollten sich schnell nach einem neuen Betätigungsfeld umsehen. Vielleicht beim FSV Salmrohr, der immer Ordnungskräfte für seine Heimspiele sucht.

Eintracht abgesagt: Spiel gegen Köln fällt aus

Die Regionalliga-Partie zwischen Eintracht Trier und dem 1. FC Köln II wurde heute morgen wegen des neuerlichen Wintereinbruchs in der vergangenen Nacht abgesagt. Die Platzbegehung hat vor wenigen Minuten ergeben, dass der Rasen im Moselstadion unbespielbar ist.
Nachholtermin ist Dienstag, 16. März, 19 Uhr.

Rückkehr der Kälte: Breus Baustellen – Eintracht Trier gegen Köln – Verlieren verboten

Die Kälte kehrt zurück: zwei Grad, Schneeschauer – Eishauch vor dem Mund, klamme Finger, rote, triefende Nasen. Meteorologisch hat der Winter Trier am Samstag erneut voll im Griff, glaubt man den Prognosen der Wetterfrösche. Das eisige Klima passt zur aktuellen sportlichen Situation der Trierer Eintracht – gleich der berühmten Faust aufs Auge, wie manche sagen. Nach der 0:1-Niederlage in Bonn trennen den SVE noch zwei Punkte vom ersten Abstiegsplatz, und jetzt kommt Köln (Samstag, 14 Uhr). Wieder eine dieser zweiten Mannschaften, gegen die der SVE erst ein einziges Spiel in der laufenden Saison gewinnen konnten – damals im November: Pektürks Soloauftritt bescherte der Eintracht einen unerwarteten 2:1-Sieg in Bochum.

Foto: Auch von ihm muss deutlich mehr kommen als zuletzt – Gustav Schulz ist weit von seiner Bestform entfernt.

Reinhold Breu, der neue Chef des blau-schwarzen Ensembles, muss sich derzeit vorkommen wie einer jener Straßenarbeiter der Fuhrparks, die händeringend nach dem strengen Winter die Löcher auf den Fahrbahnen zu schließen versuchen. Auch Breu eilt von Baustelle zu Baustelle – immer auf der Suche nach dem passenden Mittel, um die Löcher schnell, aber auch wirkungsvoll stopfen zu können. Ein Problemfall ist jedoch nicht von heute auf morgen zu beheben. Der Mannschaft fehlt – trotz der langen Winterpause – die nötige Fitness. Das hat der 39-jährige Niederbayer schon beklagt, und zu sehen war es auch. Zuletzt in Bonn, als offensichtlich wurde, dass Josef Cinar und Kollegen in der Schlussphase des Spiels – anders als der Gegner vom Rhein – nichts mehr zuzusetzen hatten.

Geschuldet war dies auch dem kräftezehrenden Auftritt gegen Tabellenführer Saarbrücken vier Tage zuvor. Von daher kam es Breu sehr zupass, dass die für unter der Woche im Rheinland-Pokal angesetzte Partie gegen Salmrohr abgesagt wurde. “Konzentriert arbeiten” konnte er somit in den vergangenen Tagen, um die Mannschaft optimal auf das so wichtige Spiel gegen die Domstädter vom Rhein vorzubereiten. Denn Köln ist nicht irgendwer. Die kleinen Geißböcke sind Sechster in der Tabelle – mit Blick nach oben. Zudem hat die Elf von Trainer Frank Schaefer spielerische Qualitäten, was die Eintracht auch schon bei der klaren 0:3-Niederlage in der Vorrunde schmerzlich erfahren musste. Die erfahrenen Ex-Profis Carsten Cullmann und Michael Niedrig geben dem Nachwuchs der Geißböcke außerdem die nötige Stabilität und Sicherheit.

Der SVE braucht nach sechs sieglosen Spielen dringend ein Erfolgserlebnis. Drei Punkte im Abstiegskampf sind nicht nur wichtig für den Blick auf die Tabelle, sondern vor allem für die Moral in der Truppe. Das weiß auch Breu. Dann hätte er zumindest eine der vielen Baustellen für die nächste Woche geschlossen.

SV Eintracht Trier 05 – 1. FC Köln II, Samstag, 14 Uhr, Moselstadion.

Die Wettervorhersage für den Trierer Norden:

 

harleys Wunschelf für Samstag:

Schneider
Dingels  Kühne  Cinar  Rakic
Bettmer
Schulz         Bradasch      Wagner
Risser Senesie(Salem)

harleys Tipp für den 23. Spieltag:

1. FC Köln U23
1. FC Köln Wikipedia

Litzel soll kommen: 24-jähriger Defensiv-Spezialist vor Wechsel zur Eintracht – Leistungsträger beim SC Hauenstein

Die Trierer Eintracht ist weiter auf der Suche nach Verstärkungen für die kommende Saison und – scheint erneut fündig geworden zu sein. Steffen Litzel vom Oberligisten SC Hauenstein steht möglicherweise vor einem Wechsel an die Mosel. Der 24-jährige Student aus Landau in der Pfalz steht auf der Wunschliste des SVE.

Litzel kommt aus der Jugend des FC 08 Haßloch und spielte von 2007 bis 2009 für den Südwest-Oberligisten TuS Mechtersheim. Unter Trainer Ralf Gimmy war Litzel Leistungsträger bei den Mechtersheimern. Der gelernte Mittelfeldspieler ist ein typischer “Sechser”, kann aber auch auf allen anderen Defensiv-Positionen eingesetzt werden. In der laufenden Saison erzielte der 24-Jährige in 19 Spielen für Hauenstein drei Tore.

Foto: Trägt er bald das Trikot mit der Porta? – Steffen Litzel (blaues Trikot) vom SC Hauenstein - hier im Spiel des TuS Mechtersheim gegen den 1.FC Saarbrücken (klicken für groß).

Hiobsbotschaft hingegen für Tim Schwartz. Der Kapitän des Oberliga-Tabellenführers SVN Zweibrücken zog sich einen Kreuzbandriss zu und fällt mindestens sechs Monate aus. Im Sommer sollte der 22-Jährige zum SVE an die Mosel wechseln.

Abgesagt wurde unterdessen das für Mittwoch (15 Uhr) angesetzte Achtelfinale im Rheinland-Pokal zwischen dem FSV Salmrohr und der Eintracht aus Trier – wegen Unbespielbarkeit des Platzes. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Dritte Halbzeit – Am Rande, aber nicht daneben

Foto: Vom misstrauischen Blick der Staatsmacht argwöhnisch beobachtet – die Trierer Fans sahen sich in Bonn einer Drohkulisse der Polizei gegenüber (klicken für groß).

Angemerkt, aufgemerktdie Geschichtchen zum Spiel BSC vs. SVE

Staatsmacht, Stars, Stadion

Nein, das macht keinen Spaß mehr. Drohgebärden, Druck, Einschüchterung – wer als Fußball-Fan mit Schal, Mütze und Fahne heutzutage in einem Block steht, trägt unweigerlich bereits a priori das Stigma des Verbrechers. Selbst bei einem harmlosen Regionalliga-Spiel. So geschehen und gesehen auch in Bonn.

Nun lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob ein kleiner Teil der Fans, die ihre Liebe auch durch Äußerlichkeiten zum Ausdruck bringen, selbst an dieser Entwicklung Schuld trägt. Denn auch dort gibt es die bösen Buben, die ein Fußballspiel vor allem zum Abbau körperlicher Aggressionen nutzen. Das ist sicher keine Frage – aber auch nicht Gegenstand der Bonner Vorkommnisse. Die überwiegende Mehrheit der Ultras, wie sie sich selbst nennen, hat diese Ambitionen nicht. Dennoch werden auch sie eingepfercht und sehen sich einer grünen Phalanx der Staatsmacht gegenüber, die alleine schon durch ihre physische Präsenz und ihr martialisches Auftreten Angst erzeugt.

Schon das Bild, das sich dem normalen Zuschauer beim Einfahren auf den Parkplatz des Bonner Stadions bot, weckte Assoziationen an bürgerkriegsähnliche Zustände in der Republik. Mannschaftswagen an Mannschaftswagen in grün und weiß auf den schmalen Zufahrtsstraßen, Männer und Frauen in Uniformen, die inzwischen an die imperialen Stoßtruppen eines Darth Vader aus “Krieg der Sterne” erinnern – und zwischendrin wie ein Häufchen Elend die Fans aus Trier. Kinder gingen an der Hand ihrer Väter, argwöhnisch beäugt vom misstrauischen Blick der Staatsgewalt, in dem schon zu lesen war: Auch das wird einmal ein Randalierer.

Der Sinn von Polizei, also den bewaffneten Ordnungskräften, in einer Demokratie ist, allen Bürgern das Gefühl von Schutz zu geben. Keineswegs bezieht sie ihre Daseinsberechtigung daraus, ein Gefühl der Bedrohung zu vermitteln. Das ist das Merkmal eines totalitären Systems. Wenn jedoch – wie in Bonn geschehen – ein Ordnungshüter auf einen Fan kommt, das Verhältnis also nahezu eins zu eins ist, wird diese Schutzfunktion ins Gegenteil verkehrt: Hinzu kommen Auswüchse einzelner Beamter, wie sie inzwischen von Ex-Polizisten bestätigt werden. Nicht nur unter den Fans gibt es jenen kleinen Teil, der zu Gewalt neigt. Auch innerhalb der Polizei gibt es diese bösen Buben, die nur darauf warten, an einem Samstag am gemeinen Fußball-Fan ihre Macht demonstrieren zu können. Sie sitzen dann zwangsläufig am langen Hebel, denn die Macht, nicht das Recht, ist von vornherein auf ihrer Seite. Das erzeugt auf der Gegenseite ein Gefühl der Ohnmacht – hilflos ausgeliefert zu sein, ohne tatsächlich etwas verbrochen zu haben.

Der Sinn von Polizei ist aber auch, Deeskalation zu betreiben und nicht Eskalation. Heute ist von diesem ehemals richtigen Ansatz nichts mehr zu spüren. Nicht selten gehen die Provokationen inzwischen von den neuen Stoßtruppen der so genannten Demokratie aus. Auch das war in Bonn zu beobachten. Wie vor einer Schlacht marschierten die Ordnungshüter bis an die Zähne bewaffnet in ihren Kampfanzügen durch die Kurve des Stadions auf den Trierer Block zu. Marschkolonnen auf dem Weg ins Gefecht – gegen einen Feind, der mit Schal, Mütze und Fahne bewaffnet bei einem Fußballspiel seine Mannschaft unterstützen will. Ein gutes Dutzend mischte sich mitten unter die Fans von der Mosel, weil ihnen einige Gesänge nicht zusagten. Die vermeintlichen Übeltäter wurden ergriffen und wie Verbrecher abgeführt. Merke: Schon das Wort ist inzwischen strafbar!

Dass viele daraufhin den Trierer Block verließen und sich solidarisch mit ihren Freunden und Kollegen zeigten, ist da nur verständlich. Menschlich nachvollziehbar, ehrenhaft auch für alle, die sich dem unnötigen Druck der Staatsgewalt nicht beugen wollten. Denn ein Grundpfeiler von Demokratie ist auch der Widerstand gegen eine überbordende Staatsmacht, die inzwischen aus Konfrontation und physischer Bedrohung ein Dogma gemacht hat.

Das ist eindeutig der falsche Weg. Vielleicht ist es bald soweit, dass um Fußball-Stadien eine Bannmeile gezogen wird – wie sie für Parlamente und Staats-Institutionen gilt. Wer dann mit einer Fahne auftaucht, wird behandelt, als hielte er einen Molotow-Cocktail in der Hand. Viel braucht es nicht mehr bis dahin. Das ist erschreckend und darf auch den normalen Fan auf der Tribüne nicht unberührt lassen. Denn meine Freiheit ist in erster Linie die Freiheit anderer – auch das ist ein Wesenskennzeichen von Demokratie. In deutschen Fußballstadien werden die demokratischen Grundsätze von der bewehrten Staatsmacht jedoch immer öfter mit Füßen getreten.

Heute der Fußball-Fan, morgen der Demonstrant, übermorgen der politische Gegner – wehret den Anfängen!

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Zurück zum Spiel zwischen dem Bonner SC und der Eintracht aus Trier. Auch auf dem Platz gab es eine Macht. Eine weibliche Macht. Schiedsrichterin Riem Hussein pfiff die Partie zwischen dem Aufsteiger vom Rhein und dem Traditionsverein von der Mosel. Als “Frau Riem Hussein” wurde sie auf dem Spielbogen angekündigt – damit auch ja keine Zweifel aufkommen konnten. Nein, es waren keine grünen Begleiter ihr zur Seite gestellt, weil sie vielleicht als Mitglied von Al Kaida einen Terror-Anschlag mitten auf dem Platz hätte verüben können. Sie durfte sich frei bewegen – immerhin!

Schutz benötigte Frau Riem Hussein auch nicht. Sie wusste ihren Mann, Verzeihung, ihre Frau zu stehen gegen die 22 Mannsbilder, die sie nach den Regeln des Spiels zu bewachen hatte. Energisch setzte sie sich bei der geringsten Aufmüpfigkeit durch. Selbst Michael Dingels, der “Bitburger Bär”, sicher kein Kind von Traurigkeit, senkte artig den Kopf, als Frau Hussein ihm nach einem Foul mahnend ins Gewissen redete. Frau Hussein hatte alles im Griff – im Spiel versteht sich. Nicht, dass an dieser Stelle beim geneigten Leser falsche Assoziationen entstehen. Das ist nicht beabsichtigt.

Die schwarze Frau, denn ganz in schwarz war sie gewandet, leistete sich keinen Fehler. Das Abseitstor war abseits, wie aus dem Spielvideo klar zu ersehen ist. Quotschalla hatte im Moment des Abspiels den Oberkörper vor Dingels – ein klarer Regelverstoß. Sofort geahndet von Frau Hussein. Dass sie wenig später den Zorn der Bonner zu spüren bekam, lag eher an dem Mann an der Linie, als an ihr selbst. Der nämlich hatte Abseits gewunken, als Dingels seinen Katastrophen-Rückpass spielte. Frau Hussein pfiff – sehr zum Verdruss der Bonner. Ein Fehler, für den Frau wenig konnte, Mann dafür umso mehr. Sie hatte sich auf das starke Geschlecht verlassen und – lag daneben. Vielleicht hätte sie mehr auf ihre weibliche Intuition hören sollen – zum Glück für die Eintracht hatte sie es nicht getan.

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Der wahre Star an diesem sonnigen Samstag im Stadion im Bonner Norden aber war jener unbekannte Rot-Kreuz-Mitarbeiter, dessen fußballerische Fähigkeiten so urplötzlich zum Vorschein kamen. Ein Befreiungsschlag – ob von Bonn oder Trier, spielt dabei keine Rolle. Der Ball stieg höher und höher in den blauen Vorfrühlings-Himmel und näherte sich dann bedrohlich fallend der Riege der ehrenamtlichen Helfer vom Roten Kreuz. Wer jetzt allerdings geglaubt hatte, diese zögen aus Furcht vor der Kugel die Köpfe ein, sah sich getäuscht. Elegant stoppte der beleibte Held in seiner grauen Uniform den Ball mit der Innenseite – aus der Luft. Perfekte Annahme, perfekte Haltung. Der Lohn war ihm gewiss: Beifall auf offener Szene von der Tribüne für dieses Kabinettstückchen. Und der Star wusste, was er seinem Publikum schuldig ist. Mit erhobenen Armen wandte er sich zu den Rängen um – Siegerpose! Wer ist Maradona? Wir kennen den Mann vom Roten Kreuz aus Bonn am Rhein.

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Auch Bonns Trainer Wolfgang Jerat versuchte sich als Ballkünstler. Was ihm aber keineswegs den Applaus des Publikums, sondern einen Verweis von Frau Riem Hussein einbrachte. Zocker Jerat hatte in der Schlussphase einfach mal kurz den Ball weggekickt – was Frau Hussein gar nicht amüsant fand. Die energische Dame schickte den Bonner Trainer kurzerhand auf die Tribüne – denn da versteht auch Frau Schiedsrichterin keinen Spaß.

Dort oben auf der Tribüne muss er dann später umhergeirrt sein. Denn als Jerat zur angekündigten Pressekonferenz nicht erschien, meinte ein Zeitgenosse aus dem Bonner Lager süffisant und mit einem breiten Grinsen im Gesicht: “Der sucht bestimmt noch den Ausgang.”

Nicht überliefert ist, wie Jerat dann doch den Weg ins Nebengebäude fand. Vielleicht hatte ihn Frau Hussein ja an der Hand genommen. Möglich ist alles…

Das war’s dann mal wieder – das Wort zum Sonntag aus dem Bonner Sportpark.

Bis zum nächsten Mal.