Ganz zufrieden war er nicht. Etwas zufrieden. Aber das ist ob des Spielverlaufs ja schon sehr viel. Reinhold Breu sprach nach dem 2:2 seiner Elf gegen den FC Köln vor allem von der Verunsicherung seiner Jungs. Die sei offenkundig geworden, als die Mannschaft unglücklich in Rückstand geriet. “Aber ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Wir haben eben nicht das Selbstvertrauen, das eine Mannschaft besitzt, die fünf Siege im Rücken hat”, sagte Breu. Der 39-Jährige hob die Moral seiner Schützlinge hervor. “Die hat gestimmt, und damit bin ich zu 100 Prozent zufrieden.”
Foto: Komm’ her und lass’ dich busseln – Torschütze Tim Eckstein lässt seiner Freude freien Lauf.
Dienstagabend, offene Geschäfte, dazu die wenig erbauliche sportliche Situation des SVE – kein Wunder also, dass die Ränge im Moselstadion nur spärlich besetzt waren. Selbst im Fan-Block auf der Gegengeraden klafften Lücken. Jene jedoch, die gekommen waren und ihre Fahnen und Spruchbänder in den blauenden Himmel über der Moselmetropole reckten, waren guten Mutes.
Seit exakt drei Wochen hatten sie nur üben können. Jetzt schallte es wieder durchs Rund des Trierer Fußball-Tempels: “Nur der SVE!” Die Fans waren heiß auf das Spiel, auf Fußball, auf ihre Eintracht. Und die schien gleich von Anfang an beweisen zu wollen, dass sie besser ist als die Tabelle das aktuell spiegelt. Dennoch – nicht nur die Initiative gehörte vom Anpfiff weg den Blau-Schwarzen, sondern auch die erste Schrecksekunde. Nach fünf Minuten setzten die “Geißböcke” ihre erste Duftmarke: Ulli Schneider kann den Ball nach einem Eckball der Kölner nicht festhalten, Andy Rakic muss für seinen bereits geschlagenen Torwart auf der Linie retten.
Ein Weckruf zur rechten Zeit. Jetzt war die Abwehr der Eintracht um die Innenverteidiger Josef Cinar und Johannes Kühne da – assistiert von Michael Dingels, der sein 100. Spiel für den SVE bestritt, und Andy Rakic auf den Außenbahnen. Im defensiven Mittelfeld hatte Cheftrainer Reinhold Breu Nicolas Fernandes den Vorzug vor Max Bachl-Staudinger gegeben. Eine luxemburgisch-französische Co-Produktion. Denn neben Fernandes agierte Gilles Bettmer, der Nationalspieler aus dem Großherzogtum.
Eines jedenfalls war schon nach gut einer Viertelstunde offensichtlich: Chef Breu hatte in den letzten drei Wochen ganze Arbeit geleistet. Seine Jungs versuchten tatsächlich, Fußball zu spielen. Kein brachialer Kick-and-Rush wie noch vor nicht allzu langer Zeit – mit der Hoffnung auf Genosse Zufall vor dem Tor. Der Ball wurde in den eigenen Reihen gehalten, immer wieder suchten sie die freien Anspielstationen – Kurzpassspiel, der Blick für den Kollegen, für den Raum, für die Situation. Das alles war Gesicht der neuen Breu-Eintracht.
Sahr Sensie ließ sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen, bediente die Außen Gustav Schulz und Martin Wagner, von denen die Linie entlang Druck auf die Kölner Deckung kommen sollte. Geschickt wurde zwischen den beiden Ketten, die in Kölner Ballbesitz jeweils auf einer Linie standen, verschoben. Hin und wieder auch ein taktisches Foul im Mittelfeld, um den Spielfluss der technisch versierten “Geißböcke” zu unterbinden. So sprangen nur Standdardsituationen für die Roten vom Rhein heraus. Die jedoch waren in Gänze ungefährlich.
Lief die Kugel durchs Mittelfeld der Eintracht, wurde es schnell und – gefährlich. Wie in der 13. Minute, als Senesie nach Pass von Fernandes durchgebrochen war. Kölns Torwart Roland Müller stürmte auf den Trierer “Zehner” zu – ein Sprung, ein Fall, ein Aufschrei im Stadion. Elfmeter? Mitnichten! Die Pfeife von Schiedsrichter Marcel Göpferich blieb stumm. Eine Fehlentscheidung – denn Müller spielte keineswegs den Ball, sondern traf nur den Gegner.
Eine gute Viertelstunde später halfen Müller aber auch alle Tricks nicht mehr. Bettmers blitzsauber getretene Ecke landete auf dem Kopf von Wilko Risser, der erneut seine wiedergefundenen Torjäger-Qualitäten unter Beweis stellte. Müller war gegen den scharfen Kopfball des Namibiers machtlos – und die blau-schwarzen Fans aus dem Häuschen. Das 1:0 war wie eine Erlösung nach langer, langer Durststrecke. Und zudem hochverdient für eine Eintracht, die Spiel und Gegner kontrollierte.
Kölns optische Überlegenheit bis zur Pause und auch in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel änderte nichts am erfolgreichen Konzept des SVE. Dann jedoch passierte das, was nicht passieren darf, was jedoch so oft passiert, wenn die Tabelle eine Mannschaft in ihren unteren Regionen sieht. Pech, Unglück – es gibt viele Namen dafür. Des Dramas erster Teil: ein harmloser hoher Ball in den Strafraum des SVE. Völlig unbedrängt versucht Dingels zu klären. Von seinem Schienbein springt die Kugel über den verdutzten Schneider, der absolut machtlos war, hinweg ins Trierer Gehäuse.
Im unmittelbaren Gegenzug hat Senesie nach mustergültigem Konter und exaktem Zuspiel von Wagner freistehend aus zwölf Metern die Möglichkeit zur erneuten Führung. 50 Zentimeter streicht der Ball am rechten Pfosten vorbei – des Dramas zweiter Teil. Teil drei folgte sogleich: Kölns erste gelungene Kombination im gesamten Spiel bringt das 2:1 für die Geißböcke. Schulz steht für Sekundenbruchteile neben seinen eigenen Schuhen: Stephan Salger flankt, und Thiemo-Jerome Kialka nickt aus kürzester Distanz ein. Niemand fühlte sich für den “Achter” der Kölner zuständig. Wieder war Schneider machtlos, wieder hatte sich die Eintracht selbst um den Lohn der zuvor sauberen Arbeit gebracht.
Der Chef an der Seite wollte es ebenso wenig wahrhaben wie die Fans im Stadion. Breu ruderte mit den Armen, versuchte, von außen Einfluss zu nehmen auf seine Mannschaft, die jetzt sichtlich unter Schock stand. Nicht mehr viel lief zusammen im Spiel der Eintracht. Personelle Alternativen sollten die Wende bringen. Erst kam Thomas Kempny für den verunsicherten Dingels, dann Andreas Anicic für Bettmer und schließlich auch noch Tim Eckstein für den konditionell abbauenden Senesie.
Anicic war es, der unmittelbar nach seiner Einwechselung den Ausgleich auf dem Fuß hatte: Freistoß aus 25 Metern, Müller reagiert glänzend – Eckball. Wieder Anicic, der Risser findet. Doch diesmal strich der Ball am Pfosten vorbei. Totale Offensive lautete jetzt das Motto. Der SVE entblößte die Defensive, nahm in Kauf, dass Köln so zu Kontern kam. Volles Risiko – Alles oder Nichts.
Breu hatte das Händchen und die Eintracht das Glück, das nur dem Tüchtigen gehört. Und die Blau-Schwarzen hatten einen Eckstein, der den Unterschied machen kann. Er war es, der den SVE in der 85. Minute erlöste. Tor für Eintracht Trier! Tim Eckstein, der seiner Freude mit einem Sprint zu seinem Trainer Ausdruck verlieh. Die Hand auf dem Vereins-Emblem, schien er es hinausschreien zu wollen: “Sieh her, ich hab’s gemacht – sonst keiner!”
Es war der Schlusspunkt in einem guten Regionalliga-Spiel, in dem für den SVE mehr möglich gewesen wäre. Ein Punkt gewonnen, oder zwei verloren? Das werden erst die nächsten Wochen beantworten.
Einzelkritik: SVE – 1. FCK
Die Spieler der Eintracht in der Einzelkritik: Alle Eintracht-Spieler verdienten sich gegen Köln befriedigende bis gute Noten. Das Gesamtbild stimmte, und darunter erschienen auch die Einzelleistungen in einem guten Licht. Hervorzuheben sind vor allem Martin Wagner und die beiden Torschützen Wilko Risser und Tim Eckstein. Auch Ulli Schneider war bis auf eine kleine Unsicherheit gleich zu Beginn fehlerfrei. Fernandes machte ein starkes Spiel auf der “Sechser-Position”. Anicic sorgte für Belebung nach seiner Einwechselung. Aber auch Senesie war sehr engagiert.
Noten wie in der Schule:
Schneider – Note 2; Rakic – Note 2; Cinar – Note 2; Fernandes - Note 2; Kühne – Note 3; Wagner – Note 1; Schulz – Note 3; Bettmer – Note 2; Dingels – Note 3, Risser - Note 1; Senesie – Note 3; Kempny (ab 67. für Dingels) – Note 2; Anicic (ab 72. für Bettmer) – Note 2; Eckstein (ab 74. für Senesie) – Note 1.
Im Viertelfinale des Rheinland-Pokals spielt die Eintracht gegen die SG Betzdorf. Das ergab die Auslosung am Dienstagabend bei der “Bitburger Brauerei”.









