Foto: Ein Hauch von Süd-Amerika waberte am Dienstagabend durch den alten Trierer Fußballtempel (klicken für groß).
Angemerkt, aufgemerkt – die Geschichtchen zum Spiel SVE vs. FCS
WARTEN AUFS CHRISTKIND – FROHE WEIHNACHTEN IM FEBRUAR
Nun ist es also soweit. Die Eintracht aus Trier hat einen echten Bayer als Chef. Nein, keinen Kaiser – soweit ist dann doch noch nicht. Das überlassen die stolzen Trierer den Bajuwaren aus München. Auch wenn der Franz eher im habsburgischen Herrscherhaus angesiedelt war. Hier regierte ein Konstantin – was ist dagegen schon ein Franz? Eben. Außerdem: Kaiser Reini – nein, das geht wirklich nicht. Da kämen nur Erinnerungen an die Augsburger Puppenkiste hoch. Und da passt der neue Chef nun wirklich nicht hin. Marionetten sehen anders aus als dieser stolze Bayer.
Manch einer hatte ja schon gemutmaßt, nun müsse bei den Pressekonferenzen ein Dolmetscher herbeigerufen werden, um das rollende “R” auch dem moselfränkischen Ohr schmackhaft zu machen. Weit gefehlt: Reinhold Breu, der stolze Niederbayer aus Deggendorf, kam gut verständlich ‘rüber bei seinem ersten Auftritt als Chef-Trainer im VIP-Zelt des SVE. Und wer als Zuhörer das Pfälzisch seines Vorgängers überlebt hatte, brauchte vor dem Niederbayerisch nun wirklich keine Bedenken haben. Denn gegen den Singsang der ehemals bayerischen Pfälzer ist das Idiom der echten Bayern nun tatsächlich ein Ohrenschmaus.
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Nicht nur, wie er es sagte, sondern auch, was er sagte, fand Anklang beim zahlreich erschienenen Volk im weißen Zelt am Backsteingebäude. Sie gelten ja als ruhige Zeitgenossen, diese Niederbayern. Stoisch sogar. Ein Grenzvolk seit Jahrtausenden. Naturverbunden mit ihrem bayerischen Wald im Rücken. Kraftquelle. Ausgeglichen seien sie, heißt es, geerdet, bodenständig und auch – stur, wenn es denn sein müsse. Breu scheint von all dem etwas zu haben. Seine Spielanalyse klang fachmännisch, ohne überheblich zu sein. Keine sinnleeren Sprüche – kurze, prägnante Sätze, in denen die Fakten auf den Punkt kamen. Und er weiß wohl, was er will. Denn klare Ansagen kann er auch machen – so es denn sein muss.
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Einer bekam das deutlich zu spüren. Während Breu sprach, stand Kenneth Kronholm im Eingang des VIP-Zeltes. Als der neue Chef die Sprache auf die Torhüter-Frage brachte, reckte Kronholm den Hals etwas höher. Der Adamsapfel zuckte nervös, die Augen weiteten sich. “Ja”, sagte Breu, während das Auditorium ebenso aufmerksam lauschte wie Kronholm, “Ulli Schneider ist meine Nummer Eins.” Aus. Vorbei. Ende. Das war’s dann wohl für Kronholm in Trier. Breu hat sich unzweideutig festgelegt. Lange hatte er gehofft, die alte Nummer Eins der Eintracht, dass seine Zeit wieder kommen könnte – jetzt, nachdem Basler gefeuert worden war. Doch Kronholm verrechnete sich, obwohl es zuerst so aussah, als schenke Breu ihm das Vertrauen. Diesen Spurwechsel hat sich Kronholm selbst zuzuschreiben. Er ist einfach schlecht beraten. Von einem Berater, der seit Jahren mit ihm durch die Weltgeschichte zieht, statt Seriosität zu verbreiten. Und das ist Breu einfach zu heikel, auch wenn sportlich fast alles für den Mann aus Amerika spricht.
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Sie gehören zu einem Derby, auch wenn sie strikt verboten sind: Bengalos, Raketen, Böller – die sogar, wie ein Kollege erfahren konnte, in einem Baguette vor den Augen der Ordnungsdienste verborgen werden sollten. Sie gehören dazu – denn schließlich ist so ein Duell zwischen zwei alten Erzrivalen ein Tag “So wunderschön wie heute” – Silvester und Geburtstag an ein und demselben Datum. Ein Tag, an dem die Fans sich quasi neu erfinden – dafür leben sie, dafür lieben sie ihren Verein. Hüben wie drüben. Die ermahnenden Worte von Stadionsprecher Peter Pries stießen ohnehin auf taube Ohren – die Fans wollten feiern. Und das eben etwas ausgelassener als bei einem normalen Spiel. Alles blieb im Rahmen, keine Auswüchse, keine Übertreibungen. In einem solchen Fall sollte die Fünf auch einmal gerade sein – ein Auge zu und etwas mehr südamerikanische Lebensfreude. Ein Hauch davon waberte ja am Dienstag tatsächlich durch den alten Fußball-Tempel in Deutschlands ältester Stadt. Schön war’s, wenn auch verboten. Aber das ist ja oft so mit den verbotenen Dingen im Leben…
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Der wahre Kracher aber kommt jetzt – zum Schluss! “Jo mei, iss denn heit scho Weihnachten?” Womit sich der Kreis zum Kaiser aus Bayern schließt. Nein, ist es nicht. Alles wartet auf den Frühling. Nur bei der Eintracht nicht. Dort warten alle im Februar aufs Christkind. Tatsache!
Auf Seite drei der neuesten Echo-Ausgabe, dem Eintracht-Magazin zum Spiel gegen Saarbrücken am 23. Februar 2010, wendet sich Vorstand Harry Thiele an die Besucher. Im letzten Abschnitt wünscht er in ihnen etwas – und zwar “ein schönes Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr 2010″. Das ist jetzt kein Scherz, sondern schwarz auf weiß nachzulesen.
Doch damit nicht genug – auch der SCT (Supporters Club Trier 2001) schließt sich diesen Wünschen an: “Der Supporters Club Trier 2001 wünscht all seinen Mitgliedern, der Mannschaft, dem Trainerstab, dem Vorstand und ganz besonders allen Fans von Eintracht Trier ein Frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010.” Nachzulesen auf Seite 29 des neuesten Eintracht Echos. Wie würde der Kaiser aus Bayern wohl sagen? “Do legst di nieder….!”
Also nahmen sie es mit Humor, die stets bemühten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Trierer Weihnachts-Eintracht am Eingang des VIP-Zeltes. Flugs wurde ein schon sehr ramponierter Schokoladen-Weihnachtsmann organisiert und für alle sichtbar auf der Theke platziert. Nebenbei hübsch dekoriert mit Lebkucken und Pfeffernüssen. Fragt sich nur, wo das Ende Februar so schnell herkam? Ob da wohl wirklich einer immer noch aufs Christkind wartet?
Sei es, wie es sei. Der Gruß für alle, die am Dienstagabend das VIP-Zelt verließen, lautete diesmal eben nicht “Tschö”, sondern “Frohe Weihnachten!”
Ein passendes Wort zum – nein, nicht zu Heiligabend, sondern zum Mittwoch aus dem Trierer Moselstadion. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.
Bis zum nächsten Mal.
Foto: alb

Ich lach mich kaputt
Frohes Fest!!!!!!!! Echt mnegageil geschrieben…….
Fragt sich dann auch nur obs auch Geschenke gab
@harley
inzwischen schreibt der tv schon von deinem blog ab…ich würde honorar verlangen
Was denn z.B.? Ein kostenloses Leseexemplar? Och nö, muss nicht sein – ich hab’ hier eh schon viel zu viel Altpapier rumliegen.